Carat-Geschichten - Werner Wolfsfellner MedizinVerlag

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Carat-Geschichten

Wer sind wir

Automobil-Verlagsgeschichte hochcarätig
 
Von A nach B mit dem Bus

In jungen Verlegerjahren war mein Markenzeichen eine 6x6-Rolleiflex, teilweise ich auch mit der legendären Schweizer Brissago-Villiger in der Hand. Journalistische/redaktionelle Fortbewegungsmittel waren in den 80er Jahren ziemlich rostlaubige Franzosen-Automobile; der legendäre blaue Renault 16 und dann gelbe Renault 20. 
Als man viel redaktionell mit dem damaligen innovativen VW-Konzern zu tun hatte, Testberichte über Kranken- und Notarztwagen schrieb oder über das Thema Federungskomfort und -optimierungen in Spezialfahrzeugen und Forschungseinrichtungen in Wolfsburg oder Hannover recherchierte und vieles mehr, liebäugelte man auch mit einem eigenen VW-Bus; vor allem, um bei vielen Messebesuchen die überteuerten Hotelkosten einzusparen. So kamen wir dann zu einem VW Bus T3, Carat-1 und Carat-2 (beide gleiches Design bis auf die Autoantenne), die damaligen Luxusversionen mit allen erdenklichen Helferlein, Standheizung und den legendären elektrischen „Lufthansa-Liegesesseln.“ Unser Carat-2 (Baujahr 1989, das letzte Modell dieser Baureihe) wird unter Liebhabern als einer der schönsten in ganz München bezeichnet. Auch hinsichtlich TÜV-Plakette macht der heute 26-jährige Bus nie Probleme, eigentlich immer ohne Mängel. 

Inzwischen machen meine Werkstätten des Vertrauens diese Abnahme, weil meine Nerven manchmal – in Erinnerung an die jugendlichen Rostlauben – angespannt waren während des Selbstvorfahrens beim TÜV: oft kamen über ein halbes Dutzend TÜV’ler an den Bus, und streichelten diesen, „mei, ist der scheee“ [oh, ist der schön]. 
An diese Fahrzeug-Design-Ästhetik erinnern sich natürlich viele, die mich kennen und viele, die auch mal mit dem Carat mitgefahren oder am integrierten Schreibtisch gesessen sind: eigentlich die ehemaligen Größen und Macher der (Luft-)Rettungsszene im weitesten Sinne, auch die vielen Partner aus der (medizin-)technischen Industrie und viele andere mehr.

Ebenso wichtig für eigene historische Arbeiten und Erinnerungen erwies sich, dass bei Veranstaltungen und Ereignissen manchmal ein Fahrzeug im Hintergrund auf Dias oder später Digitalbildern zu sehen ist; die zeitliche Zuordnung fällt nach vielen Jahren dann viel einfacher (vgl. das legendäre Foto einer Demonstration in Dresden, wo Krankenhausangestellte bzw. der Personalrat gegen den Hubschrauberlandeplatz waren: Der Hubschrauber nimmt uns Parkplätze weg!?; unser Carat steht vor dem Demo-Gebäude). 

Neu war damals für mich, dass man gegen einen Hubschrauber nicht nur wegen Lärm demonstrierte, sondern mangelndes Parkraummanagement beklagte, wie das heute heißt. In den vergangenen 20 Jahren hat sich hier nichts verändert, eher im Gegenteil: Heute werden neue Rettungshubschrauberstationen nicht mehr am Krankenhaus, sondern auf kleinen Flughäfen, auf dem Lande, auf Müll- und Altlastendeponien oder neben Autobahnen errichtet, meist in Begleitung von Bürgerinitiativen, die sich nach der ersten Erwähnung einer Standortüberlegung gründen.

Am Ende der Dresdner Veranstaltung 1992 hatte dann der Carat erstmals eine besondere Aufgabe: Das Ehepaar Ute und Siegfried Steiger von der Deutschen Rettungsflugwacht und einige Angestellte mussten noch irgendwie zum Flughafen in Dresden. Der Carat-Bus bot sich förmlich an, Taxis waren damals noch eigenwillige Transportlösungen im neuen Osten. Dr. Alexander F. Köhler († 2011), der ehemalige Hauptgeschäftsführer der DRF blickte mir in seiner schneidigen Art am Autofenster tief in die Augen: „Fahren Sie ja vorsichtig, Sie haben wertvolle Fracht an Bord“. Wollte heißen „hoch-karätige“. Bis heute sind Carat und Verleger unfallfrei geblieben.
 
Besondere Freude am anthrazitfarbigen und designvollendeten Carat hatte übrigens auch Gerhard Kugler (†), der ehemalige Geschäftsführer der ADAC-Luftrettung GmbH und nebenbei ungeahnt talentierter Künstler. Ganz begeistert und voller Schiebe- und Schaukellust war er einst mal im Winter, vermutlich 2001, als wir in Geretsried am Buch ADACOPTER arbeiteten, – nach vielen Denk-Stunden am gemütlichen und großen und schweren Eichentisch im Wohnzimmer fiel unbemerkt Schnee, viel Schnee. Wie üblich begleitete er Besucher an deren Fahrzeug und wusste schon verschmitzt im Gesichtsausdruck unter einem Trachtenhut, der viele Schnee wird wohl beim Ausparken etwas Probleme bereiten. Einige gelungene Vor- und Rückwärtsschwingungen (geht auch mit Automatik) und ein kurzer Schubs von Gerhard Kugler und man konnte Adieu-Winken. [Eine von mir damals flüchtig gezeichnete Karikatur über das gemeinsame Schneeschaukeln ist leider „verlegt“, sie kommt vielleicht noch irgendwann zur Veröffentlichung]. 
Noch viele Jahre später erinnerte er sich mit Freude und seinem legendären Lächeln an ein kleines Mitfahren von der ADAC-Luftrettung, damals noch am Leonhard-Moll-Bogen in München, zur Einweihungsfeier der Integrierten Leitstelle in der Heimeranstraße auf der Schwanthaler Höhe in München [vermutlich im Sommer 1997].

Kritische und annähernd respektlose Anmerkungen zum vollendeten Design seien nicht verschwiegen. So seinerzeit der Defi-Vermarkter Thomas L.: ein cw-Wert wie eine „Scheißhaus-Tür“, – auch wenn er immer läuft.

Dieses Jahr 2014 fiel mein mancherorts begehrter Rundbrief/Historischer Fahrzeug-Newsletter für Freunde unseres Verlagshauses aus; für manche – die im Mai nachgefragt haben – sicherlich verständlich in einem Jahr mit schwindelerregenden Höhen und Tiefen. Es waren schwergewichtige Artikel mit vielen historischen Schmankerl, die in der letzten Zeit sich auch im Umfeld der Rettung und Luftrettung zeigten, vorbereitet, Grundthema: ein bombiges Jahr gepaart mit Sir Poppers Gedanken „Leben ist Problemlösen“; sie sollten (noch) nicht zur Vollendung kommen. Aber, wie oft haben wir für Überraschungen gesorgt?
Es sei aber vermeldet, dass der Carat im Mai 2014 anstandslos sein „Pickerl“ bekommen – und bei einigen Fahrten im Jahre 2015 besondere Freude bereitet hat.

Nach der Winter-/Streusalzpause 2015/16 ist der Carat am 19. März problemlos wieder angesprungen. Wir sind aber inzwischen im Besitz einer mobilen Powerbank für etwa 50 Eurinen, wo auch bei völlig entladener Batterie ein Anlassen problemlos möglich ist = eigene mobile Starthilfe im Hosentaschenformat, was einen Autoklub hierfür entbehrlich macht. Eine erste Fahrt zu einer liebenswerten spontanen Geburtstagsfeier in „Niederhummel, neben Oberhummel, Gemeinde Langenbach hinter Freising“ war eine „nähmaschinenschnurrende Freude“. 

Der TÜV 2016 verlief ohne nennenswerte Beanstandungen. Erstmals nach vielen Jahren habe ich den Carat wieder selbst in München-Ridlerstraße vorgefahren; ich war neugierig auf Änderungen in der Technik, das Prozedere. Zwei (man beachte die Mehrzahl) jüngere Prüfer suchten akribisch, fanden aber nichts, außer ein defektes Abblendlicht, welches kurz vorher scheinbar seinen Geist aufgegeben hatte und untypische Ölfeuchte am Motor. Eine neue Batterie von Banner erfreute, zumal von diesem Hersteller noch in der Höhe geeignete und passende Batterien gefertigt werden.

Nach der Winter-/Streusalzpause von Mitte Dezember 2016 [vor Weihnachten sollten noch spezielle private Memoiren in schönster Hardcover-Ausführung fertig werden und da war eine kleine Reise von der Lieblingsdruckerei und -buchbinderei bookstation in Anzing bis zum Autor noch angesagt] bis 16. Februar 2017 (ein erster Ausflug nach Unterschleißheim in die Flugwerft) war weder die zweite Batterie noch ein mobiles Powerpack angesagt; der Carat schnurrte wie die Nähmaschine oder die Miezekatze. Mancher Tiefgaragennachbar beneidet mich immer mehr, sind doch hochmoderne Fahrzeuge mitunter nach zwei Wochen batterieschwach oder down, weil irgendein Senderlein, auch ungefragt eingebaute GPS-Einrichtungen, permanent online sind und senden und empfangen und senden und senden ...
Gute Fahrt allemiteinand.








Carat Bus
 
1992 Demo Dresden
 
 
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Originaltext des Flugblattes   zum Thema: kein Rettungshubschrauber-Landeplatz auf dem Parkplatz vor der Pathologie in Dresden lesen




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Letzte Aktualisierung: 10. April 2017

 
 
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